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Der Seele Gutes tun



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Jeden Augenblick des Lebens,
er falle, aus welcher Hand des Schicksals er wolle,
den günstigsten so wie den ungünstigsten,
zum bestmöglichen zu machen,
darin besteht die Kunst des Lebens
und das eigentliche Vorrecht
eines vernünftigen Wesens.

Georg Christoph Lichtenberg, Aphorismen





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Es gibt viele Möglichkeiten, der Seele Schwingen zu geben,
damit sie sich befreien kann
aus der Enge und Bedrücktheit unserer Nöte und Ängste,
damit sie sich emporheben kann
über den engen Horizont
unserer kleingläubigen Gedanken und unserer zerbrechlichen Hoffnungen,
damit sie das Leben aus weiter Perspektive wahrnehmen kann.

Einige solcher Möglichkeiten,
die mir sehr geholfen haben und immer noch helfen,
möchte ich Ihnen gern vorstellen.

 

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Sie haben nichts zu lachen?

Gehören auch Sie zu den Menschen, die nur dann lachen können, wenn ihnen zum Lachen zumute ist? Dann probieren Sie doch einmal die Umkehrung: erst lachen und dann fröhlich sein! Lachen kann man nämlich ganz ohne Grund, man muß nur einfach damit anfangen, gleichsam wie man anfängt zu essen, auch wenn man gar keinen Hunger hat. So wie der Appetit mit dem Essen kommt, kommt der Frohsinn mit dem Lachen. Wer sich morgens nach dem Aufstehen mit heruntergezogenen Mundwinkeln im Spiegel sieht, wird sich bald auch mißmutig fühlen; und wer sein Spiegelbild herzlich lachend begrüßt, geht ganz gewiß mit Frohsinn und Optimismus in den Tag. Lachen verbessert die Stimmung und ist Balsam für Körper und Seele. Jeder Tag ohne ein langes und herzhaftes Lachen ist ein verlorener Tag. Wer nun aber nicht weiß, wie man lacht, wenn man gar nichts zu lachen hat, der braucht ein professionelles Lachtraining. Ich habe zweimal an einem solchen teilgenommen, einmal während des Studiums 1969 und einmal vor zwei Jahren. Es hat mir beide Male viel gegeben. Ich kann mich "auf Befehl" ausschütten vor Lachen und mir damit Gutes tun.

© Eberhard E. Küttner 13.7.2007

 

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Entscheide dich, glücklich zu sein!

Die meisten Menschen, wenn sie unglücklich sind, meinen, daran seien allein äußere Bedingungen oder andere Personen schuld. Das ist ein Irrtum! Einzig der Mensch selbst kann für sich die Entscheidung treffen, glücklich oder unglücklich zu sein. Wer glücklich sein will, der versuche einfach, nach diesen Regeln zu leben:

1.
Liebe dich selbst.
Lerne dich selber anzunehmen und zu mögen, wie du bist, mit deinen Stärken und Schwächen. Mache dir bewußt, daß du einzigartig bist auf dieser Welt und unendlich kostbar. Nimm dir ausreichend Raum und Zeit für dich, gehe liebevoll mit dir um, und tu dir Gutes. Spüre deinen Körper, höre darauf, was er dir sagen möchte, und sei aufmerksam für die Bedürfnisse, die er dir signalisiert.

2.
Sei gelassen.
Betrachte deine Ziele und Wünsche, deine Sorgen und Ärgernisse nicht mit übertriebenem Ernst und nimm dich selber nicht zu wichtig. Lerne über dich und deine Fehler zu lachen,antstatt überehrgeizig und verkrampft zu sein. "Wer sich nicht selbst zum besten haben kann, der ist bestimmt nicht einer von den besten!", sagt Goethe.

3.
Sei dankbar.
Empfinde deine Dankbarkeit für das Geschenk des Lebens, für die täglich neu aufgehende Sonne, für die Farbenpracht des Herbstes, für jede Stunde ohne Schmerzen, dafür, daß du Luft zum Atmen hast und Menschen, die gut zu dir sind. Dankbarkeit ist die schönste Form des Glücks. Zeige anderen Menschen deine Dankbarkeit, und teile dein Glück mit ihnen.

4.
Gehe mit dir in die Stille.
Jeden Tag ein paar Minuten in der Stille zu sein hilft dir, zu deiner inneren Mitte zu finden. Es hilft dir, gelassener zu werden, Unvermeidliches annehmen zu können, wie es ist, und mit Problemen leichter umgehen zu können. Es hilft dir, Antworten auf Fragen zu finden und Zufriedenheit mit dir selber zu fühlen.

5.
Atme richtig.
Die richtige Atmung ist das Fundament für ein glückliches Leben. Atme tief, spüre, wie sich dein Bauch dabei vorwölbt, behalte die Luft ein Weilchen in dir, und atme ganz langsam wieder aus. Gewöhne dir diese Atmung an, und du wirst staunen, wie wohl sie auch deinem seelischen Befinden tut.

6.
Lebe den Augenblick.
Konzentriere dich ganz auf das, was du gerade tust, ganz gleich, was es auch immer ist. Genieße das Jetzt als etwas Unwiederholbares. Wenn deine Gedanken abwandern, hole sie immer wieder in den Augenblick zurück. So erlebst du dein Gegenwärtigsein in seiner ganzen Tiefe.

7.
Erlebe die Welt mit wachen Sinnen.
Nimm alles, was dich umgibt, mit neugierigem Blick wahr. Schau die Dinge, mit denen du täglich umgehst, mit staunenden Augen an, so als sähest du sie zum ersten Mal. Du wirst überrascht sein, was du dabei alles entdeckst, und welche Freude dir daraus erwächst. Nimm kein Ding, keinen Handgriff, keinen Weg als selbstverständlich hin, sondern suche immer wieder das noch Unbekannte, Spannende darin. Dann wird dein Leben, und sei es noch so eintönig, wahrhaft reich.

So ist Glücklichsein möglich!
Das habe ich bei vielen schwerkranken und notleidenden - und trotzdem glücklichen - Menschen bestätigt gefunden.

© Eberhard E. Küttner 3.10.2005


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Stille

Stille ist ein ganz wichtiger und sehr kostbarer Teil meines Lebens. Sie ist der Raum, in dem meine Seele Ruhe und Heilung findet. Ich beginne und beschließe jeden Tag mit ein paar Minuten schweigender Besinnung, und auch in seinem Verlauf suche ich mehrmals Augenblicke des Abstands von seinen anstrengenden Forderungen und von der oftmals hektischen Betriebsamkeit um mich herum. Die Stille ist mein Quell der Ruhe und der Energie, meiner Kreativität und Lebensfreude, meiner Ausgeglichenheit, Gelassenheit und Dankbarkeit.

Viele Menschen weichen der Stille gern aus, weil es ihnen unbehaglich ist, ganz mit sich allein zu sein und ausgeliefert den eigenen Gedanken und Gefühlen. Deshalb fliehen sie lieber in die Zerstreuung und Ablenkung, brauchen immer neue Reize und Eindrücke und überall eine Geräuschkulisse. Ich habe gelernt, die Begegnung mit mir selber in der Stille auszuhalten. Für meine Seele ist sie so zu etwas Bereicherndem und Heilsamem geworden. Gewiß, sie ist in der Tat auch manchmal unbequem, vor allem wenn sie mich mit meiner Schuld und meinem Versagen konfrontiert, aber ich finde in ihr sehr viel mehr: Hoffnung und Kraft, Vergebung, Geborgenheit und Frieden.

Ich pflege die Stille für mich allein, aber ich mag auch sehr das Schweigen zusammen mit Menschen, die dasselbe Bedürfnis haben und daher das gemeinsame Stillsein nicht als bedrückend erleben. Meine Erfahrung sagt: Man kann lange beieinander sitzen, ohne daß unbedingt Worte gewechselt werden müssen. Sie sind ja ohnehin oftmals nur allzu oberflächlich oder gar bedeutungslos, wenn sich kein wirklich wichtiges Thema einstellt. Dieses Gefühl, in Gesellschaft zwanghaft nach Gesprächsstoff suchen zu müssen, weil man meine Beteiligung an der allgemeinen Plauderei erwarte, hat mich früher immer sehr belastet. Aber von diesem Erwartungsdruck habe ich mich längst befreit, und ich kann nun ganz ruhig schweigen, wenn ich nichts zu sagen habe, wenn ich nur zuhören oder nachdenken oder einfach nur still da sein möchte.

Sehr viel bedeutet mir die stille Andacht der Quäker. Ich nehme immer sehr gerne teil an dieser Stunde gemeinsamen Schweigens, in der wir uns auf eine ganz besondere Art miteinander in dem Geist verbunden fühlen, der uns eint, erfüllt und trägt. Diese Insel der Stille mitten im lauten Alltag ist für mich aber nicht nur ein Gemeinschaftserlebnis. Sie hilft mir auch, aus der äußeren und inneren Unruhe, den Ängsten und Sorgen, den Konflikten und Verstrickungen des Lebens zurückzufinden in meine Mitte, zu meinem innersten Wesenskern. In der Stille erspüre ich sehr oft, worauf es wirklich ankommt in meinem Denken und Tun, und welche der verschiedenen Stimmen in mir und um mich herum "stimmig" ist. Diese Erfahrung von der Gegenwart des Göttlichen in mir und mitten unter uns trage ich nach der Andacht als Kraftquell mit mir zurück nach Hause, in den Seminarraum, in die Stadt.

Ich suche und finde die Stille an jedem Ort - in der weiten Natur ebenso wie im kleinen Zimmer, auf der Straße wie im überfüllten Omnibus und auch in lärmender Menge, falls ich da sein muß. Je lauter es um mich ist, desto stiller kann es in mir werden, wenn ich diesen Rückzug wünsche. Ein Raum für die Stille findet sich überall, wenn sie in mir selber ist.

Aber ich bin kein Eremit, kein vergeistigter, am liebsten in mich gekehrter Einzelgänger. Ich bin ein ganz natürlicher, lebensfroher Mensch, der zuweilen die zwischenmenschliche Kommunikation ebenso braucht wie die Stille. Es ist gerade die Ausgewogenheit zwischen Reden und Schweigen, zwischen äußerer und innerer Aktivität, zwischen Geschäftigkeit und Kontemplation, die für mein inneres Gleichgewicht sorgt.

© Eberhard E. Küttner 22.02.2004


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Bedenkenswertes

1

Viele von uns können sich nur schwer oder auch gar nicht vorstellen, daß es gut sein soll, wenn man sich seiner Angst stellt. Die Angst - oder sogar schon die "Angst vor der Angst" - scheint so mächtig und unüberwindlich, daß wir glauben, wir könnten sie nicht besiegen, weil sie stärker sei als wir. Die Folge ist dann, daß wir den für uns angstbesetzten Situationen ausweichen, sie möglichst meiden. Aber so geben wir der Angst nur recht und lassen sie noch mehr in uns wachsen. Mit jeder weiteren Vermeidung wächst auch der Glaube an unsere eigene Schwäche, und wir werden immer mutloser und verurteilen uns selbst dafür. Aus diesem Teufelskreis führt nur eines heraus: die Überzeugung, daß wir stärker sind als unsere Angst!

2

Das geht nicht.
Ich kann das nicht.
Er wird sich nie ändern.
Ich werde das nie können.
Das kann nicht funktionieren.
Mir kann so etwas nicht passieren.
So etwas wird nie im Leben vorkommen.
Dieses Schiff k a n n überhaupt nicht sinken.
Es wird niemals ein Mensch sich in die Lüfte erheben.
Mit diesem Menschen kann man einfach nicht auskommen.

Solche Sätze hören wir täglich.
Aber wir sollten sie besser nicht sagen.
Sie drücken eine Sicherheit aus,
die wir wahrscheinlich nur in einem einzigen Fall zu recht haben dürfen:
"MORS CERTA HORA INCERTA" -
der Tod ist sicher, die Stunde ist unsicher.
Sagten die Römer.

Wir legen uns viel zu oft endgültig fest.
Und sagen "Nie" und "Unmöglich".
Und wissen doch nicht, was sein kann, und was möglich ist.
"Es gibt mehr Dinge zwischen Himmel und Erde,
als unsere Schulweisheit sich träumen läßt..."
Sagt William Shakespeare.

Wir schließen aus, was unsere Vorstellungskraft übersteigt.
Und ahnen doch nicht, wie klein unsere Phantasie ist.
Und um wie vieles größer die Realität,
die wir zu kennen meinen
und von der wir doch nur winzige Bruchstücke wahrnehmen.
"Seht ihr den Mond dort stehen?
Er ist nur halb zu sehen
und ist doch rund und schön.
So sind wohl manche Sachen,
die wir getrost belachen,
weil unsre Augen sie nicht sehn."
Sagt Matthias Claudius.

Wir sollten alles für möglich halten.
Auch das, was uns unmöglich erscheint.
Wir sollten offen sein für unwahrscheinliche Erfahrungen
und unglaubliche Entdeckungen,
für die vielen kleinen und großen Wunder der Welt.
Wenn wir mit wachen Sinnen achtsam durchs Leben gehen,
werden wir aus dem Staunen nicht mehr herauskommen!
Wir werden nicht mehr zweifeln an unseren Fähigkeiten
und nicht mehr ver-zweifeln an unseren Grenzen.
Wir werden die Grenzen der anderen nicht mehr so eng ziehen,
sondern jedem Menschen zutrauen,
daß er über sich selbst hinauswachsen kann.

Ein zehnjähriger Knabe vermochte,
so berichtet die Zeitung,
einen Traktor anzuheben,
um dem kleinen Bruder das Leben zu retten,
dessen Ärmchen unter die fahrenden Räder geraten war.

Ein kleiner Junge kann keinen Traktor anheben.
Nie im Leben.

3

Wir müssen lernen, hin und wieder Abstand von der Geschäftigkeit des Alltags zu gewinnen und nicht ständig an das viele Unerledigte zu denken und uns davon bedrücken zu lassen. Stattdessen sollten wir hin und wieder Mut zum Träumen haben, sollten wir schönen Bildern und Vorstellungen in uns Raum geben.
Wir wollen uns einmal entspannen und dem morgigen Tag mit freudiger Erwartung entgegensehen.
Wir wollen uns nicht zum Sklaven der Angst machen vor dem, was er vielleicht an Unangenehmem bringen könnte, sondern den heutigen Abend genießen, allein oder mit dem Partner bzw. der Partnerin oder mit Freunden.
Wir wollen uns am Jetzt, an dieser Stunde freuen, die wir so gestalten, wie sie uns gefällt.

Die Vergangenheit ist vorüber, und die Zukunft ist noch nicht da.
Die Gegenwart ist die einzige Zeit, die uns wirklich gehört.
Leben ist jetzt!

Statt die Möglichkeiten dieser Stunde auszuschöpfen, statt die Chancen des Jetzt wahrzunehmen, statt uns bewußt zu machen, daß uns in diesem Augenblick die Schöpferkraft gegeben ist, Realitäten zu schaffen, lassen wir unsere Gedanken viel zu oft abschweifen zu Dingen, die wir nicht mehr ändern können, und zu Dingen, die es noch nicht gibt und die es vielleicht nie geben wird.

Solange wir mit dem Blick aufs Gestern und aufs Morgen durchs Leben gehen,
werden wir die unwiederholbare Gegenwart nicht dazu nutzen,
unser Dasein mit all seiner Freude und seinem Leid bis zur Neige auszukosten,
Erfahrungen zu sammeln,
zu hören und zu schauen,
zu lieben und zu staunen,
zu lernen und zu wachsen;
werden wir unendlich viel von unserer kostbaren Zeit verlieren;
werden wir in unserer Todesstunde schmerzlich bedauern, das meiste von diesem kurzen Leben versäumt zu haben.

Vergangenheit und Zukunft dienen uns als Krücken, auf die wir uns stützen, wenn wir uns zu schwach fühlen, uns auf unsere Kraft zu verlassen.
Aber wir können stark sein!
Viel stärker, als wir manchmal denken.

4

Wir reagieren Sie, wenn Ihnen Unangenehmes widerfährt?
Wenn Sie mit der neuen Wildlederjacke in einen Regenguß kommen?
Wenn Ihrem Kind eine Tasse vom wertvollen Kaffeeservice zu Bruch geht?
Wenn der Partner vergessen hat einzukaufen?
Wenn Sie zur unpassendsten Zeit eine schwere Erkältung bekommen?
Wenn bei der Post ein Päckchen verlorengegangen ist?
Wenn der Mechaniker den Termin nicht einhält?
Wenn die Bahn vierzig Minuten Verspätung hat?
Die meisten von Ihnen sind dann wütend, nicht wahr?
Da wir von frühester Kindheit an dazu erzogen wurden, immer die Opfer zu sein, ist es nur allzu verständlich, daß wir auch als Erwachsene so denken. Wir sind davon überzeugt, daß immer die anderen oder die Umstände schuld sind an unserm Ärger.
Aber an unserm Ärger sind immer nur wir ganz allein schuld!
Ob wir uns ärgern wollen oder nicht, liegt nämlich an uns selbst und an niemandem sonst. Wir könnten das Unerfreuliche, das uns widerfährt, auch mit Gelassenheit hinnehmen, weil unser Ärger und unsere Wut es ja nicht ungeschehen machen können. Wenn wir uns ärgern, bewirken wir nur eins: Wir fühlen uns noch schlechter!
Und wie ist das mit böser Krankheit und mit all dem Leid, das uns trifft? Können wir damit, daß wir uns innerlich dagegen aufbäumen, etwas an unserer Situation ändern?
Ja. Wir können sie noch schlimmer machen.

5

Wenn wir uns nur irgendwo treffen und ein paar Worte wechseln - zum Beispiel im "Netz" -, kennen wir einander noch lange nicht, auch nicht, wenn wir jeden Tag voneinander hören oder lesen sollten. Erst wenn Menschen zusammen leben, lernen sie einander besser kennen. Sie wissen dann voneinander, was sie denken und fühlen, wie sie in verschiedenen Situationen handeln, was sie mögen und was nicht. All das macht den Charakter, das Wesen, die einzigartige Persönlichkeit eines Menschen aus.
Geben wir uns anderen gegenüber so, wie wir wirklich sind? Oder setzen wir uns Masken auf?
Manchmal ist es einfacher, sich hinter einer Fassade aufgesetzter Fröhlichkeit zu verbergen, obwohl uns zum Heulen ist, unsere Sensibiltät hinter Burschikosität oder Sarkasmus zu verstecken, unsere Angst hinter scheinbarer Unerschütterlichkeit, unsere Verletzlichkeit hinter zur Schau getragener Gleichgültigkeit. Wir wüßten bestimmt alle, warum das mitunter angeblich klüger sein soll, aber im Grunde wünschten wir uns doch, Menschen um uns zu haben, in deren Gegenwart wir so sein dürfen, wie wir wirklich sind, ohne daß wir befürchten müßten, zuviel von unserm Innern preiszugeben.
Und es täte unserm Befinden besser, echt sein zu können - ohne Verstellung, ohne (Schutz-)Maske.

Hab den Mut, du selber zu sein!
Du hast ein Recht darauf, so zu sein, wie du bist.
Nur wenn du zu dir selber Ja sagst, können die anderen dich ernst nehmen und achten.
Und vielleicht sogar verstehen.

6

Immer wieder kommt es vor, daß Leistung und Erfolg unser Selbstwertgefühl beeinflussen.
Bist du am Abend zufrieden mit dir, hältst du dich auch für einen guten Menschen, und war es ein schlechter Tag, bist du enttäuscht von dir und unzufrieden.
Aber eigentlich ist es doch völlig gleichgültig, was du geschafft oder nicht geschafft hast: du bist deshalb keinesfalls mehr oder weniger wert!
Dein Kind liebst du doch auch dann, wenn es die versprochene gute Note auf dem Schulzeugnis noch nicht erreicht hat; warum liebst du dich weniger, wenn du heute nicht die Kraft aufbringen konntest, das zu tun, was du dir vorgenommen hattest?

Vielleicht sind wir nicht so, wie wir gerne wären;
vielleicht handeln wir nicht immer so, wie wir gerne möchten;
vielleicht leben wir nicht so, wie wir gerne leben würden,
aber trotzdem haben wir doch allen Grund, uns selber zu mögen!

Manches können wir ändern, wenn wir ehrlich zu uns selber sind und bereit, uns die Zeit zu geben, die wir dafür brauchen. Anderes können wir nicht ändern, und wir werden deshalb keine schlechteren Menschen sein.

Du solltest wissen, was du dir selber wert bist.
Dein Wert hängt nie und nimmer von deiner Leistung ab.
Du bist, so wie du bist, gut und einzigartig und wertvoll.

7

Diese Welt ist die furchtbarste aller Welten.
Diese Welt ist die wunderbarste aller Welten.
Diese Welt ist die einzige, die wir haben.

Diese Welt ist voller Dummheit und Haß.
Diese Welt ist voller Weisheit und Liebe.
Diese Welt ist wie die Menschen in ihr.

Diese Welt ist rot von blutgetränkter Erde.
Diese Welt ist der blaue Planet der Hoffnung.
Diese Welt ist meine Heimat.

Diese Welt kann ich nicht erklären.
Diese Welt kann ich nicht begreifen.
Diese Welt kann ich einfach nur lieben.

8

Wir alle brauchen wenigstens einen Menschen, der mit uns verbunden ist. Dem wir vertrauen können, mit dem wir lachen und weinen und dem wir unsere Gefühle und Gedanken anvertrauen, unsere Pläne und Wünsche erzählen können. Ohne einen solchen Menschen sind wir wie ein Vogel im Käfig.
Manche von uns sind, auch wenn sie ausgehen und Abwechslung, Zerstreuung suchen, trotzdem allein. Unter Menschen zu sein heißt ja noch lange nicht, Verbindung zu ihnen zu haben.
Um unser Leben mit anderen zu teilen, müssen wir unsere innere Tür öffnen und wenigstens einen Menschen hereinlassen. Denn schon dieser eine entscheidet, ob wir einsam sind oder nicht.
Ganz gleich, ob er bei uns ist oder nicht.
Ich brauche die Freundschaft oder gar die Liebe wenigstens eines Menschen.
Und ich überlege gerade, wie ich ihm meine Türe öffnen und einen Raum geben kann, wo wir uns miteinander wohlfühlen.

9

Wir nehmen die Dinge niemals so wahr, wie sie sind,
sondern stets nur, wie wir sie erleben -
gebrochen durch das Prisma
unserer Erfahrungen,
unseres Wissens,
unserer Gefühle,
unserer Stimmungen,
unserer Erwartungen,
unseres Selbstkonzepts,
unserer augenblicklichen Befindlichkeit.

Ich sehe, höre, schmecke, rieche, taste nicht, was ist,
sondern wofür ich es halte.
Die Welt ist immer nur meine Welt,
die Welt, die ich mir erschaffen habe
und in jedem Moment immer wieder neu erschaffe.

Die Wirklichkeit gibt es nicht.
Es gibt nur meine Wirklichkeit
und die der anderen
und also viele Wirklichkeiten.
Meine Wirklichkeit ist die Wahrheit für mich.
Deine Wirklichkeit ist die Wahrheit für dich.
Also begegne ich deiner Wahrheit mit Respekt.

10

Ein echtes Gespräch besteht aus zwei Seiten: dem Reden und dem Zuhören. Wenn wir nur reden, handelt es sich um einen Monolog. Wollen wir aber mit einem Menschen wirklich ins Gespräch kommen, müssen wir ihm auch zuhören.
Die Zuhör-Pause ist jedoch nicht nur dazu da, daß wir schon überlegen, welche Einwände wir dem andern an den Kopf werfen wollen, sondern vor allem dazu, zu verstehen, was er tatsächlich sagt. Und was er sagt, das sind nicht nur die Worte, die er benutzt, sondern auch die Gefühle, die zusammen mit ihnen zum Ausdruck kommen.
Verstehen-Wollen bedeutet, für ein paar Augenblicke aus dem eigenen Standpunkt herauszutreten und das aufmerksam Gehörte mit den Augen des Sprechenden zu sehen. Nur der, heißt es, kann einen Menschen wirklich verstehen, der eine Zeitlang in seinen Schuhen gegangen ist...
Wir sehnen uns danach, mit unseren Gedanken und Gefühlen verstanden zu werden, und sind enttäuscht, wenn man uns nicht wirklich zuhört.
Geben wir unseren (Ehe-)Partnern, Kindern, Freunden und Kollegen doch ein gutes Beispiel: Hören wir ihnen zu - ohne daß wir, noch bevor sie einen Satz zu Ende gesprochen haben, bereits zu wissen glauben, daß sie unrecht haben. Versuchen wir, herauszufinden, warum sie so denken und fühlen.
Fragen wir uns unvoreingenommen, wie wir selber denken und fühlen würden, wenn wir - wie eine indianische Redewendung sagt - eine zeitlang in ihren Mokassins gelaufen sind.
Dann werden wir irgendwann erleben, daß man auch uns besser zuhört.
Unsere Ausgewogenheit zwischen Sprechen und Zuhören wird unsere Beziehung zu den Menschen, mit denen wir leben, vertiefen.

© Eberhard E. Küttner, Aus Beiträgen für ein Internet-Forum, 2002-2003


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Das kostbarste Geschenk

Lieber D.,

[...]
... das kostbarste Geschenk, das wir einander machen können, ist ein Stück von unserer Zeit. Das wußten schon "Momo" und ihre Freunde. Wir alle brauchen zu unserem Wohlbefinden einen Menschen, der seine Zeit mit uns teilt und uns damit sagt: Du bis mir wichtig! Wer sich auf Dauer nicht wahrgenommen und bejaht fühlt, dessen Seele verkümmert.

Dennoch schenken wir einander im Alltag viel zu wenig Zeit. Wie kommt das? Warum sind wir oft so gleichgültig und bleiben innerlich unberührt, wenn jemand sich uns gern öffnen würde? Weil wir zu sehr mit uns selber beschäftigt sind, als daß wir Zeit übrig hätten für Gespräche, die unter die Oberfläche gehen – oder gar unter die Haut? Weil wir ahnen, daß es emotional anstrengend werden kann, sich auf einen Menschen mit seinen Gedanken und Gefühlen wirklich einzulassen? Oder am Ende gar, weil wir noch nicht die unerwartete Erfahrung gemacht haben, daß wir dabei oftmals mehr bekommen, als wir geben? Weshalb ertappen wir uns immer wieder dabei, daß wir nicht wirklich zuhören, wenn jemand von sich spricht?

Gerade diese Fähigkeit ist in unserer schnellebigen Zeit rar geworden. Deshalb bemühe ich mich seit langem, mich in ihr zu üben. Ich weiß: wenn ich meinem Gesprächspartner aufmerksam zuhöre, dann überlege ich nicht schon, während er noch spricht, was ich ihm gleich antworten werde, sondern lasse in Ruhe und Achtsamkeit auf mich wirken, was er sagt, und was sein Blick, seine Mimik und Gestik, seine Haltung und seine Bewegungen mir mitteilen. Ich versuche, so gut es mir gelingt, seine Situation nachzuempfinden, anstatt seine Worte aus meiner Sicht zu betrachten und zu bewerten. Mir ist bewußt, daß ich allein damit meinem Gesprächspartner meist schon mehr geben kann als mit einer noch so klug gedrechselten Antwort, die ihm verrät, daß ich mehr bei mir bin als bei ihm.

Es ist ein weitverbreiteter Irrtum zu meinen, als erstes erwarte einer, der uns sein Herz ausschüttet, gute Ratschläge. Sie zerstören nämlich meistens wieder das Gefühl des einfühlsamen Verstehens, das wir durch unser anteilnehmendes stilles Zuhören aufgebaut haben. Wer Kummer hat, braucht weniger aufmunternde Kommentare und noch so gut gemeinte Lösungsvorschläge als vielmehr einen Blick und vielleicht eine Berührung, die ihm sagen: Ich bin mit dir, und ich gehe nicht weg, und ich will es aushalten, dich auf schwierigem Weg ein Stück zu begleiten. Wenn ich befreit bin von dem Druck, nach Worten suchen zu müssen, kann ich mich ganz auf den Menschen einlassen, der sich mir offenbart.

Natürlich muß ein einfühlsamer Zuhörer mit seinem Gesprächspartner nicht immer der gleichen Meinung sein. Aber er wird sich redlich bemühen, ihn zu verstehen und zu respektieren. Es ist nicht meine Aufgabe, die Meinung des anderen zu widerlegen, es genügt, wenn ich, nachdem ich sie verstanden zu haben glaube, ihm einfach sage, daß ich sie nicht teile. Den Anspruch, recht zu haben, vertritt er nämlich ebenso wie ich. Also streite ich nicht mit ihm, wenn er von seinem Standpunkt ebenso fest überzeugt ist, wie ich es von meinem bin. Ich finde: Das Wichtigste im Leben ist nicht, unbedingt immer recht zu behalten, sondern miteinander leben zu können!

Jeder Mensch empfindet es als wohltuend, mit seinen Ansichten, seinem Denken und Fühlen ernst genommen zu werden. Es tut uns gut zu spüren, daß, auch wenn der andere vielleicht nein zu unserer Meinung sagt, doch aber auf jeden Fall unserer Person sein Ja gehört. Das freundliche Interesse eines Menschen, der uns als Persönlichkeit nicht bewertet oder gar verurteilt, sondern uns bis zu Ende anhört und annimmt, ist Labsal für unsere Seele. Dieser Kalenderspruch, den ich kürzlich fand, spricht ein Gefühl aus, das für viele Menschen eine unerfüllte Sehnsucht ist: „Ich liebe dich, weil du so bist, wie du bist, und weil ich bei dir so sein darf, wie ich bin.“

Die Realität eines solchen Empfindens ist nach meiner Erfahrung aber nicht nur eine Frage der Zeit, die wir füreinander haben, sondern vor allem eine Frage der inneren Einstellung zum anderen Menschen – und zu uns selbst...
[...]

Von Herzen grüßt Dich
E.

© Eberhard E. Küttner, 20.6.2002


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Gedanken, Gefühle und Gesundheit

Wir leben ständig mit Millionen von Bakterien auf unserer Haut, wir atmen Viren ein, die potentiell tödlich sind; unser Körper ist zahllosen Umweltgiften ausgesetzt und unsere Seele unzähligen Streßfaktoren. Wenn man bedenkt, wie groß angesichts dessen die Gefahr ist, krank zu werden, ist es schon erstaunlich, daß es trotzdem noch so viele Menschen gibt, die sich gesund fühlen. Der entscheidende Grund dafür ist unser Immunsystem, die Selbstschutzkraft unseres Körpers. Aber wie stark die körpereigene Abwehr ist, hängt nicht nur von unseren Erbanlagen und unserem Verhalten ab, sondern auch von unseren Gefühlen. Unsere Gefühle haben biochemische Auswirkungen auf das Immunsystem - manche stärken es, manche schwächen es.

Gefühle werden von Gedanken hervorgerufen. Es gibt Gedanken, die gute Gefühle erwecken, und solche, die erdrückende Gefühle erzeugen. So können Gedanken letztendlich körperliche Beschwerden entstehen lassen. Wir sprechen dann von psychosomatischen Störungen oder Symptomen. Welche Beschwerden sich einstellen, hängt unter anderem ab von der körperlichen Konstitution, den Ernährungsgewohnheiten, der Lebensweise und den Einflüssen der natürlichen Umwelt. Wissenschaftliche Untersuchungen zeigen, daß Menschen, die in einer unglücklichen Ehe leben oder Psychoterror am Arbeitsplatz erleiden, ein geschwächtes Immunsystem haben und infolge dessen leichter erkranken und früher sterben. Ebenso ist nachgewiesen, daß deprimierte Herzkranke mehr Beschwerden haben als optimistisch eingestellte und daß eine deutliche Verlängerung der Überlebensdauer - oder gar die Heilung - Krebskranker dann um ein Vielfaches wahrscheinlicher ist, wenn sie positiv denken und froh gestimmt sind.
Die innere Haltung hilft uns also dabei, gesund zu bleiben oder es zu werden. Auch die Liebe als das stärkste aller positiven Gefühle wirkt sich günstig aus. Liebende haben nachweislich ein stärkeres Immunsystem. Kinder gedeihen besser in einer liebevollen Umgebung, lieblos aufwachsende Kinder entwickeln sich schlechter. Menschen mit starken und stabilen sozialen Bindungen leben gesünder und länger. Desgleichen ist der Glaube eine starke Macht. Patienten, die zu Testzwecken Placebos bekommen (Medikamente oder Therapien ohne Wirkung), berichten in mehr als einem Drittel der Fälle von einer Besserung ihres Befindens. Schon der Glaube an den Erfolg des Heilmittels vermag also zu heilen. Und von großer Bedeutung ist ebenso die Hoffnung. Solange ein Kranker auf Heilung hofft, besteht Hoffnung für ihn. Wer sich verloren gibt, ist verloren. Dum spiro spero, sagten die alten Römer, solange ich atme, hoffe ich.

Manchmal werde ich gefragt: Passen denn Glaube, Liebe, Hoffnung in unsere Welt der Wissenschaft? Dann antworte ich: In vorwissenschaftlichen Zeiten wußte man intuitiv mehr über die Bedeutung der Gefühle als heute, und in Völkern fernab unserer Kultur weiß man es heute noch. Wie stark könnte eine Medizin sein, wenn sie die Erkenntnisse und Errungenschaften der modernen Wissenschaft vereinigte mit den uralten Erfahrungen der Menschheit! Wir müssen wieder lernen, daß Liebe und mitmenschliche Zuwendung, Vertrauen und Hingabe, Einfühlsamkeit und Verständnis, Vergebung und Zuspruch oftmals wirksamer sein können als ein Medikament. Vor allem aber müssen wir uns wieder daran erinnern, daß unsere eigenen Gedanken es hauptsächlich sind, die unser Befinden beeinflussen. Wer sich daran gewöhnt, seine Gedanken auf etwas Positives, auf Schönes und Beruhigendes zu lenken anstatt auf etwas Negatives, auf Bedrückendes und Beunruhigendes, der entspannt damit seinen Körper und stärkt ihm die Kraft zur Selbstheilung. Diesen Zusammenhang versuche ich Fragenden bewußt zu machen: Angstfreie Gedanken lösen körperliche Verspannungen, und ein entspannter Körper kann keine negativen Gefühle entwickeln.

Aber auch diesen Einwand höre ich immer wieder: Wie kann ich in meiner leidvollen Lage denn an schöne Dinge denken? Ich halte dann dagegen, daß es nicht an den Umständen liegt, ob wir positiv oder negativ denken, sondern an unserer Einstellung zum Leben. Mit großer innerer Bewegung habe ich das Buch "...trotzdem Ja zum Leben sagen" von Viktor E. Frankl, einem österreichischen Psychologen, gelesen, der das Konzentrationslager überlebt hat. Er bezeugt mit einfachen Worten, wie angesichts der Unwahrscheinlichkeit, diese Hölle je wieder lebend verlassen zu können, in der allmählich eine seelische Empfindungslosigkeit um sich griff, eines doch immer da war: der Glaube an das Leben und die Hoffnung auf die Zukunft und die Liebe zu den fernen Angehörigen.

© Eberhard E. Küttner, 6.6.2002


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Die Gedankensperre

Wir wissen wohl alle: Es sind nie die Dinge selbst, die uns bewegen, sondern immer unsere Ansichten darüber, wie wir sie bewerten. Und wir wissen auch, daß unsere Gedanken wesentlich darüber entscheiden, wie wir uns fühlen. Trotzdem werden die meisten von uns gelegentlich von mehr oder weniger intensiven negativen Gedanken geplagt. Viele meinen, wir hätten keinen Einfluß darauf. In Wahrheit ist es aber so, daß der gesunde Mensch sehr wohl entscheiden kann, ob er negativ oder positiv denken will.

Wie man negative Gedanken beherrschen lernt, zeigt die Methode der Gedankensperre, die ich in einem Buch fand, das sich mit angewandter Psychologie beschäftigt. Hier ein Auszug daraus:

~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~

Negative Gedanken können so sehr Macht über uns gewinnen, daß sie die positiven in uns ersticken und unserer psychischen Gesundheit Schaden zufügen. Da es aber ebenso schädliche Folgen haben kann, sie zu verdrängen, d. h. ins Unterbewußtsein abzudrängen, wo sie psychosomatische Störungen hervorrufen können, sollten wir versuchen, sie bewußt unwirksam zu machen. Das gelingt durch die sogenannte Gedankensperre. Mit dieser Technik nimmt das Bewußtsein den destruktiven Gedanken zwar auf, bringt ihn aber unter seine Kontrolle, unterbricht ihn und weigert sich schließlich, ihm Aufmerksamkeit zu schenken.

Erster Schritt: Setzen Sie sich in einen bequemen Sessel. Machen Sie sich einen der Gedanken bewußt, die Sie unter Kontrolle bringen wollen, z. B. die Angst vor irgendeinem befürchteten Ereignis. Wenn Ihnen mehrere angstbesetzte Gedanken einfallen, nehmen Sie irgendeinen beliebigen. Sobald dieser Gedanke Form annimmt, rufen Sie laut: "STOP!" Dann sagen Sie leise zu sich selbst: "RUHIG" und entspannen sich bewußt fünf oder zehn Sekunden. Ihr Ziel ist es, den Gedanken, den Sie unter Ihre Kontrolle bringen wollen, wenigstens einen Augenblick lang zu unterbrechen, bevor seine destruktive Wirkung einsetzt. Gelingt Ihnen diese Unterbrechung nicht, wiederholen Sie die Übung und rufen das "STOP" noch lauter und befehlender. Ist Ihnen zweimal hintereinander diese momentane Unterbrechung gelungen, dann gehen Sie zum nächsten Schritt über. Wenn es Ihnen schwerfällt, sich einen dieser Gedanken einfallen zu lassen, zwingen Sie ihn ins Bewußtsein. Manchmal hilft es, wenn Sie die Augen schließen, während Sie versuchen, sich den Gedanken ins Bewußtsein zu rufen.

Zweiter Schritt: Machen Sie die Übung genau wie vorher, aber sagen Sie das "STOP" nicht laut, sondern denken Sie es nur. Wenn Sie Schwierigkeiten haben, den Gedanken für einen Augenblick abzubrechen, können Sie das "STOP" innerlich schreien und dabei ein Gummiband gegen Ihr Handgelenk schnalzen lassen oder etwas anderes Schmerzhaftes tun.

Dritter Schritt: Die beiden Schlüsselworte für die Anwendung der Technik der Gedankensperre heißen "sobald" und "jedesmal". Sie kennen die Gedanken, die Sie unter Kontrolle bringen wollen. Sobald Ihnen bewußt wird, daß einer dieser Gedanken Sie zu beschäftigen beginnt, setzen Sie sofort die Sperre ein und sagen Sie danach "RUHIG" zu sich und entspannen Sie sich. Wenn der Gedanke nach zwei Minuten oder zwei Stunden wiederkommt, wiederholen Sie den Vorgang, sobald Sie merken, daß er sich wieder meldet.

Dieses"sobald" hat zwei Gründe:
1. Wenn Sie dem Gedanken eine Chance geben, sich voll auszubilden, ist er schwerer oder gar nicht mehr unter Kontrolle zu bringen. Panik kann die Folge sein.
2. Der nicht abgebrochene Gedanke verstärkt sich in Ihrem Denken und tritt immer häufiger auf.

Das Schlüsselwort "jedesmal" ist notwendig,
1. weil Sie die Gewohnheit entwickeln müssen, destruktiven Gedanken keine Aufmerksamkeit zu schenken und sich anschließend zu entspannen (wie jede neue Gewohnheit müssen Sie sie bei jeder Gelegenheit üben; Sie müssen die Gedankensperre so lange einstudieren, bis die Sequenz "STOP – RUHIG – ENTSPANNEN" automatisiert ist);
2. weil ohne Verstärkung ein erwünschtes Verhalten nicht manifest wird.

(Aus: Angewandte Psychologie, Droemersche Verlagsanstalt Th. Knaur Nachf., München, dt. Erstausgabe 1993, S. 77)


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Die Geschichte vom alten Chinesen

In einer Sammlung alter chinesischer Legenden fand ich einen Text, der mich sehr beeindruckt hat und der mir immer wieder hilft, gelassen zu sein und positiv zu denken.

In einem Dorfe lebte ein alter Mann. Er war sehr arm, aber selbst Könige waren neidisch auf ihn, denn er besaß ein wunderschönes weißes Pferd. Man bot ihm höchste Summen für das Pferd, aber der Mann sagte: ,,Dieses Pferd ist für mich kein Pferd, sondern ein Mensch. Und wie könnte man einen Menschen, einen Freund verkaufen?" Der Mann litt oft Hunger, aber sein Pferd verkaufte er nie. Eines Morgens fand er sein Pferd nicht im Stall. Das ganze Dorf versammelte sich, und die Leute sagten: "Du dummer alter Mann. Wir haben immer gewußt, daß das Pferd eines Tages gestohlen würde. Es wäre besser gewesen, es zu verkaufen. Welch ein Unglück!" Aber der alte Mann sagte: "Geht nicht so weit, das zu sagen. Sagt einfach: Das Pferd ist nicht im Stall. Soviel ist Tatsache. Alles andere ist Urteil. Ob es ein Unglück ist oder ein Segen, weiß ich nicht, weil dies ja nur ein Bruchstück der Wahrheit ist. Wer weiß, was darauf folgen wird?" Die Leute lachten den Alten aus. Sie hatten schon immer gewußt, daß er ein bißchen verrückt war. Aber nach fünfzehn Tagen kehrte eines Abends das Pferd plötzlich zurück. Es war nicht gestohlen worden, sondern in die Wildnis ausgebrochen. Und nicht nur das, es brachte auch noch ein Dutzend wilder Pferde mit. Wieder versammelten sich die Leute, und sie sagten: "Alter Mann, du hattest recht. Es war kein Unglück, es hat sich tatsächlich als ein Segen erwiesen." Der Alte entgegnete: "Wieder geht ihr zu weit. Sagt einfach: Das Pferd ist zurück. Wer weiß, ob das ein Segen ist oder nicht ? Es ist nur ein Bruchstück der Wahrheit. Ihr lest nur ein einziges Wort in einem Satz - wie könnt ihr das ganze Buch beurteilen?" Dieses Mal konnten die Leute nicht viel einwenden, aber innerlich wußten sie, daß der Alte unrecht hatte. Zwölf herrliche Pferde waren gekommen! Der alte Mann hatte einen einzigen Sohn, der begann, die Wildpferde zu trainieren. Schon eine Woche später fiel er vom Pferd und brach sich beide Beine. Wieder versammelten sich die Leute, und wieder urteilten sie. Sie sagten: "Wieder hattest du recht! Es war ein Unglück. Dein einziger Sohn kann nun seine Beine nicht mehr gebrauchen, und er war die einzige Stütze deines Alters. Jetzt bist du ärmer als je zuvor." Der Alte antwortete: "Ihr seid besessen vom Urteilen. Geht nicht so weit. Sagt nur, daß mein Sohn sich die Beine gebrochen hat. Niemand weiß, ob dies ein Unglück oder ein Segen ist. Das Leben kommt in Fragmenten, und mehr bekommt ihr nie zu sehen." Es ergab sich, daß das Land nach ein paar Wochen einen Krieg begann. Alle jungen Männer des Ortes wurden zwangsweise zum Militär eingezogen. Nur der Sohn des alten Mannes blieb zurück, weil er verkrüppelt war. Der ganze Ort war von Klage und Wehgeschrei erfüllt, weil dieser Krieg nicht zu gewinnen war, und man wußte, daß die meisten der jungen Männer nicht nach Hause zurückkehren würden. Da kamen die Leute zu dem alten Mann und sagten: "Du hattest recht, alter Mann - es hat sich als Segen erwiesen. Dein Sohn ist zwar verkrüppelt, aber immerhin ist er noch bei dir. Unsere Söhne sind für immer fort." Der alte Mann antwortete wieder: "Ihr hört nicht auf zu urteilen. Niemand weiß! Sagt nur dies: Eure Söhne hat man in die Armee eingezogen und meinen Sohn nicht. Erst später wird man wissen, ob dies ein Segen oder ein Unglück ist."


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Die Palme

Manchmal denken wir, die Last, die uns auferlegt ist, müßte uns niederbeugen und zu Boden drücken. Wir haben aber auch die Erfahrung machen dürfen, daß das Schwere, das wir zu tragen haben, uns stärker machen kann, wie diese alte orientalische Legende zeigt:

Ein Araber war krank und zweifelte am Sinn des Lebens. Als er in einer Oase einen jungen, noch kleinen Palmbaum sah, nahm er einen dicken Steinbrocken und legte ihn der jungen Palme mitten in die Blattkrone. Soll auch sie sehen, wie sie damit fertig wird. Die Palme versuchte, die Last abzuwerfen. Sie schüttelte sich im Winde. Vergebens. Da wuchs sie tiefer und fester in den Boden, um stärker zu sein. Und wirklich, ihre Wurzeln erreichten neue Wasseradern. Diese Kraft aus der Tiefe und die Sonne aus der Höhe machten sie zu einer starken Palme, die im Weiterwachsen auch den Stein mittragen konnte. Nach Jahren kam der Mann wieder, um nach dem Baum zu sehen. Da sah er eine besonders hochragende Palme im Wind schwanken, und in der Krone trug sie den Stein. Und wie sie sich im Winde neigte, schien sie ihm zu sagen: "Ich muß dir danken! Die Last hat mich über meine Schwäche hinauswachsen lassen."


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