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Neues von Herrn Z.


Herr Z. - übrigens ein sehr weitläufiger Verwandter des allen Brecht-Freunden gut bekannten Herrn K. - ist der Mensch über und unter mir, vor und hinter, neben und in mir. Er ist der unauffällig-auffällige, zuweilen etwas schrullige, aber stets liebenswürdige Zeitgenosse, der gern ein bißchen provoziert, indem er die alltäglichen Dinge des Lebens aus einer eher nicht alltäglichen Sicht betrachtet, uns gnadenlos den Spiegel vorhält und sich auch nicht scheut, gelegentlich recht unbequeme Wahrheiten auszusprechen - zumindest solche, die er für Wahrheiten hält. Von eben diesem Herrn Z. gibt es immer wieder neue Anekdoten zu erzählen...

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Warum?

"Eigentlich sind wir alle doch nichts anderes als spielende Kinder im Sandkasten", sagte Herr Z. neulich gedankenversunken. "Warum aber nehmen wir dann unser ganzes Gehabe so furchtbar ernst? Warum schlüpfen wir nicht - wie die Kinder - aus unseren Rollen, wenn sie uns keine Freude mehr machen? Warum finden wir es nicht lächerlich, so zu tun, als wären wir wirklich das, was wir gerade verkörpern, als wäre die dazugehörige Maske unablösbar auf unser Gesicht geklebt? Warum lachen wir nicht über unsere eigene Verbissenheit und spielen einfach etwas Neues? Warum geben wir dem Geld Macht über unser Leben, obwohl es doch nur bedrucktes Papier ist? Warum sagen wir nicht einfach ‚nein‘, wenn man von uns etwas verlangt, das wir nicht tun wollen und das uns krank macht? Warum haben wir nicht den Mut, Spielverderber zu sein?"

© Eberhard E. Küttner 3.9.2003

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Schlechte Nachrichten

Herr Z. hat sich vor kurzem entschlossen, keine Nachrichtensendungen in Rundfunk und Fernsehen mehr zu empfangen. Zuvor hatte er vier Wochen lang einen Test gemacht: Er hatte sich jeden Tag halbstündlich, jedes Mal von einem anderen Programm, die Nachrichten angesehen bzw. angehört und dabei die Meldungen in zwei Gruppen sortiert: in gute und schlechte. Gute Meldungen waren solche, die Freude und Glück bei ihm auslösten und seinen Zukunftsoptimismus stärkten; als schlechte Meldungen dagegen galten solche, die Ärger und Wut sowie Gefühle von Trauer, Enttäuschung und Hilflosigkeit in ihm erzeugten. Dieser Test hatte ein Verhältnis von drei guten zu siebenundneunzig schlechten Meldungen ergeben. Außerdem hatte Herr Z. während der vier Wochen den ganzen Tag deutliche Anzeichen zunehmendem seelischen und körperlichen Mißbehagens an sich wahrgenommen, hatte spürbar schlechter geschlafen als sonst und war den ganzen Tag über unausgeglichen und gereizt gewesen. Seitdem er nun auf sämtliche Hörfunk- und Fernsehnachrichten konsequent verzichte, fühle er sich, wie er immer wieder betont, besser als je zuvor.

Auf die Frage, ob ihm nicht doch etwas fehle, denn immerhin sei er ja nun überhaupt nicht mehr aktuell informiert, was im Lande und in der Welt an wirklich Wichtigem passiert, antwortete er: "Aber das habe ich doch auch vorher nicht erfahren, nicht einmal während der Testwochen!"

© Eberhard E. Küttner 11.9.2003

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Wozu normal sein?

Herr Z. hat mitunter recht eigenartige lukullische Gelüste. Neulich erzählte er in einer kleinen Runde: "Gestern zum Frühstück habe ich eine kalte Brühwurst zu Kartoffelpüree mit untergemischtem Waldmeistersirup gegessen, dazu ein in Senf gedipptes Nußcrème-Brot. Mittags gab es gegrillte Putenschenkel mit Reis, Weinkraut und Tomatenketchup, dazu Möhrensalat mit Matjeshering und geriebener Schokolade und zum Nachtisch Apfelmus, vermischt mit Rührei. Die Schlemmerei des Tages habe ich dann zum Abendbrot abgerundet mit drittehalb Lachsfilethälften auf Pommes frites mit Orangenspinat und einem Stück Rührkuchen, belegt mit Gewürzgurkenscheiben. Zu all dem habe ich ein Glas Himbeerlimonade, verfeinert mit gezuckertem Weinessig, genossen."

Als daraufhin alle Herrn Z. ungläubig anstarrten und einer vorsichtig zum Ausdruck brachte, daß er solcherlei Speisenzusammenstellungen nicht für normal halte, erwiderte Herr Z. mit dem ihm eigenen gewinnenden Lächeln sehr gelassen: "Nennen Sie mir doch bitte einen Grund, nur einen einzigen, weshalb man 'normal' sein müßte!" Aber niemand kannte einen wirklich überzeugenden.

© Eberhard E. Küttner 16.9.2003

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Als ich der Apoplex war

Herr Z. erzählt oft davon, wie es war, als er nach einem Schlaganfall auf die Intensivstation gekommen ist: „Ärzte, Schwestern schwirren um mich herum, alle interessieren sich für mich - aber eigentlich doch nicht für mich, sondern für meine Meßwerte. Da kommt einer, ein Arzt offenbar, und redet mich an, fragt mich nach meinem Namen und wie alles gewesen ist. Aber während ich mühsam versuche, einigermaßen verständliche Worte hervorzubringen, schreibt er fortwährend etwas auf, und noch bevor ich fertig bin, hört er schon nicht mehr hin, sondern gibt der Schwester seine Anweisungen, von denen ich kein Wort verstehe. Später vernehme ich Stimmen auf dem Flur: ‚Schwester Ines, schauen Sie doch mal nach der Infusion bei dem Apoplex!‘ und: ‚Ute, wo liegt der Apoplex?‘ und: ‚In der 213, Ines!‘ Die Schwester von vorhin kommt ins Zimmer. Bin ich also jetzt ‚der Apoplex‘? Was mag das wohl sein? Schwester Ines schaut nach meiner Infusion - aber nicht nach mir. Kein freundliches Wort, kein liebenswürdiges Lächeln, keine zärtliche Berührung. Draußen informiert sie dann jemanden über ‚den in der 213‘. Ich merke: Alle reden sie über mich, aber nicht mit mir. Ich bin halt nur eine Zimmernummer, ein Fall - der Apoplex."

© Eberhard E. Küttner 19.9.2003

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Unverständnis

Herr Z. ist durch und durch Demokrat. Deshalb hat er kein Verständnis dafür, daß man die Staatsform seines Landes offiziell als "Demokratie" bezeichnet. Wenn dort nämlich eine politische Partei 51 Prozent der Wählerstimmen erhält, dann bekommt sie die alleinige Regierungsverantwortung, und die anderen Parteien, die zusammen von 49 Prozent der zur Wahl gegangenen Stimmberechtigten gewählt worden sind, haben gar keine. Also wird der Wille der knappen Hälfte des Wahlvolkes einfach ignoriert. Aber damit nicht genug: Sollten die Wähler etwa einer Partei das Vertrauen ausgesprochen haben, die dann weniger als 5 Prozent erreichen wird, dann sind die für sie abgegebenen Stimmen nichts wert, denn diese Partei wird keinen einzigen Sitz im Parlament bekommen, und der Wille derer, die sie gewählt haben, ist absolut bedeutungslos. Haben die Wähler aber einmal ihre Stimme - gleich einer Blankovollmacht - abgegeben, verfügen sie bis zur nächsten Wahl über keine Stimme mehr und haben keine Möglichkeit, Parteien und Volksvertreter, die nicht den Willen des Volkes vertreten, abzuwählen.

Wenn man sich nun noch die Zusammensetzung dieses Parlaments anschaut, dann stellt man fest, daß jene sozialen Schichten, die den größten Teil der Bevölkerung ausmachen, darin kaum vertreten sind, während diejenigen, die im Volk eine kleine Minderheit darstellen, im Parlament die überwiegende Mehrheit bilden. Folglich haben Gesetze im Interesse der Mehrheit des Volkes aber zum Nachteil einer Minderheit keine Chance, von den Minderheitsvertretern beschlossen zu werden. So kommt es, daß das Parlament Gesetzesvorlagen mit Zweidrittelmehrheit annimmt, die nach Meinungsumfragen von einer Zweidrittelmehrheit des Volkes abgelehnt werden.

Der einzelne Abgeordnete braucht sich ja auch gar nicht dem Willen seiner Wähler und gegebenenfalls seinem Gewissen verpflichtet zu fühlen, er hat sich nämlich zuerst dem Willen seiner Parteiführung und der Fraktionsdisziplin unterzuordnen, was er im Normalfall auch tut, falls er zur nächsten Wahl wieder als Kandidat aufgestellt werden möchte. Daher läßt sich meist schon vor einer Abstimmung im Parlament das Ergebnis erahnen. Also herrscht im Land nicht das Volk, sondern das Volk wird beherrscht von denen, in deren Händen die Macht war und ist und voraussichtlich auch bleibt - ganz gleich, welche Partei oder welche Koalition gerade regiert.

Herr Z. fragt sich nun, warum die Menschen diesem Spiel nicht ein Ende bereiten und in ihrem eigenen Interesse endlich wirklich Demokratie machen.

© Eberhard E. Küttner 26.9.2003

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Ändere dich nicht!

Herr Z. klagte jahrelang über seine Frau. „Dauernd verlangt sie von mir, daß ich mich ändere. Zwar pflichte ich ihr bei und will mich auch ändern, denn in vielem hat sie ja recht, aber es gelingt mir trotz aller guten Absicht nicht. Das macht mich hilflos und unglücklich."

Als Herr Z. vor kurzem nach einem Schlaganfall aus der Klinik entlassen worden war, erzählte er glückstrahlend, seine Frau habe zu ihm gesagt: „Du brauchst dich nicht zu ändern. Bleib wie du bist! Es ist eigentlich gar nicht wichtig, ob du den einen oder anderen kleinen Fehler hast. Wichtig ist doch nur, daß ich dich habe! Ich liebe dich - mit allem, was nun mal zu dir gehört.“

„Nie zuvor hat ein Wort von meiner Frau mich so gerührt“, sagte Herr Z. mit einem seligen Lächeln. „Seitdem fühle ich mich entspannt und befreit. Und - welch ein Wunder,“ fügte er mit dem Ausdruck des Staunens hinzu, „ich merke, wie ich mich immer mehr zu meinem Vorteil verändere!“

© Eberhard E. Küttner 06.10.2003

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Narrenfreiheit

In letzter Zeit bleibt Herrn Z. bei Fernsehauftritten der Hofnarren unserer Tage - des politischen Kabaretts - immer öfter das Lachen im Halse stecken, vor allem dann, wenn er sehen muß, wie die mit Spott übergossenen Politiker im Saal sich trefflich amüsieren und Beifall klatschen, anstatt wegen des bitteren Ernstes hinter dem Spaß sich in Grund und Boden zu schämen.
Narrenfreiheit genießt, wer von Bühne und Bütt herab verkünden darf, was Leute von Rang und Namen den Regierenden öffentlich nicht ins Gesicht zu sagen wagen. Die Freiheit aber, meint Herr Z., bedarf der närrischen Verkleidung nicht, um der Wahrheit die Ehre zu geben.

© Eberhard E. Küttner 23.02.2004
("Rosenmontag")

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Gott

Neulich gestand Herr Z.: "Ich habe keine Ahnung, wer oder was GOTT ist. Zwar weiß ich aus eigenem Erleben, daß er (sie? es?) existiert - ebenso wie Menschen aller Zeiten und aller Völker es wußten, wissen und immer wissen werden - indes, es ist mir gänzlich unbekannt, auf welche Weise diese unbestreitbare Realität existiert, die wir von alters her "Gott" zu nennen pflegen. Nur eines halte ich für sicher: Niemand kann darüber ein Wissen haben, denn ist Gott Gott, dann existiert er nicht dergestalt, wie alles - außer ihm - existiert, was existiert."

© Eberhard E. Küttner 12.12.2004

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Geduldete Arbeitslosigkeit

Sehr häufig muß Herr Z. kopfschüttelnd zur Kenntnis nehmen, daß große Unternehmen in diesem Lande die Entlassung Tausender Mitarbeiter ankündigen. Andererseits kann er sich nicht erinnern, wann er das letzte Mal die Meldung gehört oder gelesen hätte, daß ein mächtiger Konzern Tausende Arbeitsloser eingestellt hat - natürlich zu Löhnen, von denen man leben kann. So fragt sich nun Herr Z.: Behauptet die Regierung denn nicht bei jeder Gelegenheit, daß sie die Massenarbeitslosigkeit bekämpfen will? Warum also läßt sie dann Massenentlassungen zu? Weshalb hat sie nicht schon längst ein Gesetz gemacht, das es großen Firmen mit hohen Gewinnen untersagt, ihr Kapital ins Ausland zu verlagern, es sei denn, sie kauften sich mit dreistelligen Milliardensummen frei? Dann würden sie wahrscheinlich lieber hierbleiben und ihre Mitarbeiter behalten. Eine Antwort hat Herr Z. nicht auf diese Fragen - dafür aber die Vermutung, daß die Regierenden es am Ende gar nicht so ernst meinen könnten mit der Bekämpfung der Arbeitslosigkeit.

© Eberhard E. Küttner 31.12.2004

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Keine Meinung

Zeitgenossen, die zu allem und jedem immer sogleich ein Urteil bereit haben, sind Herrn Z. sehr suspekt. „Ich kann“, betonte er erst neulich wieder, „doch nur dann über etwas oder jemandem eine Meinung haben, wenn ich über eine vielseitige und differenzierte Sicht und ein umfassendes Tatsachen- und Hintergrundwissen sowie über eigene Erfahrungen mit der Person oder der Sache verfüge. Sonst könnte ich ja nur nachreden, was andere meinen, ohne daß ich wüßte, ob sie Wahres sagen oder irren oder gar lügen. Wenn die Leute zu demselben Sachverhalt gar noch unterschiedlicher Meinung sind, so wäre es mir erst recht nicht möglich, Partei zu ergreifen, denn wie sollte ich ohne eigene genaue Kenntnis entscheiden, wer von ihnen recht hat?“ Also antwortet Herr Z. gelegentlich auf die Frage nach seiner Meinung ganz frei und offen: „Ich habe noch keine! Ich gehöre nämlich nicht zu denen, die zwar eine Meinung haben, aber keine Ahnung.“

© Eberhard E. Küttner 29.01.2005

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Berechtigte Frage

Neulich meinte Herr Z. nebenbei: "Der Präsident der Vereinigten Staaten von Amerika ist der Ansicht, daß man Länder, die sich Kernwaffen zu beschaffen trachten, mit allen Mitteln daran hindern müsse. Hätte denn aber dieser sein löblicher Appell", so fragte Herr Z., "nicht eine viel größere Wirkung, wenn der Präsident mit gutem Beispiel voranginge und mit der Vernichtung des eigenen Teufelszeugs begänne?"

© Eberhard E. Küttner 06.02.2005

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Nicht warten, sondern tun!

Neulich hörte ich, wie eine junge Frau zu Herrn Z. sagte: "Ich bin es langsam müde, tagein, tagaus von der Liebe immer nur zu träumen und vergebens zu warten, daß sie in mein Leben tritt! So gehen meine besten Jahre in unerfüllter Sehnsucht dahin." Darauf entgegnete Herr Z.: "Aber, meine Tochter, weshalb wartest du denn auf die Liebe? Entschließe dich zu lieben! Dann wird sie augenblicklich da sein und nimmer gehen."

© Eberhard E. Küttner 08.03.2005

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Herr Z. fährt nicht Auto.

Herr Z. gehört zu den wenigen Sonderlingen unserer Zeit, die nie ein Auto und einen Führerschein besessen haben. Fragt man ihn, ob er sich denn unter diesen Umständen überhaupt als vollwertiger Mensch fühlen könne, pflegt er zu sagen: "Ei gewiß doch, und vielleicht sogar noch mehr als jeder Autofahrer! Ich gehe häufiger zu Fuß und lebe damit gesünder. Die Sorgen, die Verpflichtungen und die Geldausgaben eines Autobesitzers kenne ich nur vom Hörensagen. Mit den öffentlichen Verkehrsmitteln komme ich an alle Orte, zu denen ich will oder muß. Das dauert zwar meist etwas länger, aber ich kann mich bequem und mit offenen Augen durch die Welt fahren lassen und bin nicht gezwungen, die ganze Zeit hinter einem Lenkrad eingepfercht zu sitzen und meinen Blick dauernd konzentriert auf die Fahrbahn vor mir zu heften. Termine weit außerhalb, die gedankenlose Leute oft viel zu früh ansetzen, weil sie wie selbstverständlich alle Menschen für Autofahrer halten, kann ich absagen, falls ich sie mit Bahn oder Bus nicht rechtzeitig erreiche und man mir Taxi oder Übernachtung nicht bezahlen will. So muß man den Termin ändern oder aber auf mich verzichten. Das gibt mir ein Gefühl von Freiheit. Alles in allem also bin ich als Nichtfahrer und gelegentlicher Mitfahrer ein durchaus glücklicher Mensch und ein lebendiger Beweis dafür, daß auch ohne Auto ein zufriedenes Dasein möglich ist."

© Eberhard E. Küttner 18.11.2005

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"Deutscher werden"

Herrn Z. ärgert es immer wieder, daß die Einbürgerung von Ausländern hierzulande häufig „Deutscher werden“ genannt wird. Er findet diesen Sprachgebrauch gedankenlos und falsch. Ein Nichtdeutscher", so sagt er, kann zwar die Staatsbürgerschaft der BRD erwerben und damit Bürger der Bundesrepublik werden - aber nicht Deutscher. Deutscher, Russe oder Ägypter zu sein ist nach seinem Verständnis eine Frage der Nationalität, nicht aber der Staatsangehörigkeit. Bis zum 2. Oktober 1990 galt für Herrn Z. – Staatsbürgerschaft: DDR, Nationalität: deutsch, und er sagt: "Jetzt bin ich immer noch deutscher Nationalität, aber in Fragebögen fülle ich korrekterweise die Spalte 'Staatsangehörigkeit' mit 'BRD' aus. Falls ich – rein theoretisch – einmal Bürger der Volksrepublik China werden sollte, bliebe ich dennoch weiterhin ein Deutscher und würde kein Chinese."

© Eberhard E. Küttner 20.3.2006

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  Vertrauen wagen!

Als Herr Z. neulich gefragt wurde, ob er bei all den Enttäuschungen in seinem Leben überhaupt noch Vertrauen haben könnte, erwiderte er:
„Wir müssen immer wieder Vertrauen wagen! Auch wenn wir schon unzählige Male enttäuscht worden sind.
Wie willst du denn morgens aufstehen und abends dich zu Bette legen, wenn du nicht vertrauen kannst?
Wie willst du essen, trinken, atmen - wenn du nicht vertrauen kannst?
Wie willst du auch nur einen einzigen Schritt tun, wenn du nicht vertrauen kannst?
Wie willst du Entscheidungen treffen, wenn du nicht vertrauen kannst?
Wie willst du mit Menschen zusammenleben, wenn du nicht vertrauen kannst?
Wie willst du lieben, wenn du nicht vertrauen kannst?
Wie willst du denen vergeben, die schuldig an dir wurden, wenn du nicht vertrauen kannst?
Ohne Vertrauen können wir nicht leben!“

© Eberhard E. Küttner 13.07.2007

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  Herr Z. und die Kunst

Herr Z. malt gern. Es bereitet ihm Freude, seine Gefühle in Farben und Formen auszudrücken. Als kürzlich sein alter Freund ihn besuchte, der übrigens auch malt, betrachtete der das jüngste Bild von Herrn Z. lange, kratzte sich den Kopf und bemerkte dann kopfschüttelnd: „Das ist nicht gelungen.“
Darauf erwiderte Herr Z.: „Wenn dir das Bild nicht gefällt, sag einfach: Es gefällt mir nicht! Ob es gelungen ist oder nicht, kannst du nicht beurteilen, denn nur ich selber weiß, was ich schaffen wollte und ob ich zufrieden bin.“

© Eberhard E. Küttner 03.07.2008

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Herr Z. und die Toleranz

Neulich wurde Herr Z. gefragt, was er von Toleranz halte. „Ich halte", antwortete er, "sehr viel davon, daß jeder die Freiheit hat, seine Meinung zu sagen. Wenig allerdings halte ich davon, wenn manche Leute denken, sie seien tolerant, weil sie jedem die Freiheit gewähren, ihre Meinung zu sagen.“

© Eberhard E. Küttner 25.07.2008

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  Verstehen muß nicht billigen heißen

Als Herr Z. neulich sagte, er könne den eines abscheulichen Kapitalverbrechens überführten Täter verstehen, warfen ihm alle voller Empörung vor, er solidarisiere sich mit einem Monster, das keinerlei Verständnis verdiene. Daraufhin erklärte Herr Z.: „Wenn ich sage, daß ich zu verstehen glaube, warum der Straftäter so gehandelt hat, dann sage ich damit nicht, daß sein Tun zu billigen sei! Ich heiße menschenverachtendes Handeln ja nicht zwangsläufig damit gut, daß ich eine Ahnung davon habe, wie es im Denken und Fühlen dieses Menschen entstanden sein könnte. Der Versuch, eine Erklärung für seine Beweggründe zu finden, bedeutet doch nicht zugleich, ihn von Schuld freizusprechen! -  Im übrigen", fügte Herr Z. hinzu, "ist der Mann kein 'Monster', sondern ein Mensch. Es gibt den absolut bösen Menschen ebensowenig wie den ausschließlich guten. Mir ist diese verurteilende Selbstgefälligkeit jener 'Gerechten' zuwider, die da meinen, sie seien unfähig zu dem, was sie anderen vorwerfen. Sie leugnen in ihrem Hochmut die Abgründe, die in uns allen - also auch in ihnen - verborgen sind."

© Eberhard E. Küttner 04.10.2008

 

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